
Der ehemalige Golfprofi Rannulph Junuh hat seinen Lebenssinn im Ersten Weltkrieg, als er sämtliche Männer seiner Kompanie in den sicheren Tod schickte, leider verloren. Nun steht seine Heimatstadt Savannah mitten in der Großen Depression, während er schlecht rasiert, Karten spielend und debil grinsend solange genügend Alkohol da ist, die Tage vertrödelt. Auch seine Verlobte Adele Invergordon hat er durch sein Aufgeben verloren. Zwar kann sie ihn nicht sofort dazu bewegen, bei einem hochkarätigen Golfturnier mitzuspielen, das dem Golfplatz von Adeles überschuldetem Vater, der seinem Leben darüber ein Ende setzte, zu neuem Leben verhelfen soll. Doch ihr Auftreten stachelt Junuh dann doch so sehr an, dass er schließlich, mit Hilfe des Caddys Bagger Vance, nicht nur ein großartiges Turnier spielt, sondern auch seine Liebe wieder zurückgewinnt.
Etwas eitel wollte Redford selbst den Part des jungen Kriegsheimkehrers Junuh spielen. Zum Glück hat er stattdessen Matt Damon den Part überlassen. Für die Rolle seines geheimnisvollen Mentors Bagger Vance hat er - um das Alter halbwegs parallel zu halten - nicht Morgan Freeman engagiert, dem die immer gleiche Rolle des weisen alten Mannes zu diesem Zeitpunkt auch schon zu den Ohren heraushing (Seven, Amistad, Die Verurteilten, etc. haben diesen seinerseits zu der Aussage bewegt, anscheinend in einer „Schublade voll Würde und Autorität“ festzustecken), sondern dem ewigen Spaßvogel Will Smith endlich einmal die Gelegenheit gegeben, sein dahingehendes Potential auszuloten. Die überzeugende Wandlungsfähigkeit des Fresh Prince, der einen großartigen Jesus-ähnlichen Vagabunden und Caddy gibt, rechtfertigt dessen heutiges Ansehen denn auch in aller Deutlichkeit.
Die Geschichte vom Mann, der vom rechten Weg abgekommen ist und ihn wieder findet, ist eine - vor allem im amerikanischen Kino - schon sehr oft gesehene Geschichte, die, sollte man meinen, durch das Golfspiel als ihr zentrales Thema nicht gerade aufregender wird. Doch gerade dieser Sport, bei dem die Einheit von Körper und Geist, das hochkonzentrierte und präzise In-Bewegung-Setzen sämtlicher Gliedmaßen um einen möglichst perfekten Schlag auszuführen, so wichtig ist, reflektiert die inneren Kämpfe Junuhs, der seine Kriegsdämonen erst abschütteln muss, um wieder richtig Mensch sein zu können. Der eigentliche Knackpunkt liegt darin, diese Verbindung von Golf und innerem Seelenspiel interessant und anschaulich zu inszenieren. Doch wozu hat man Robert Redford, der hinter der Kamera nun wahrlich am rechten Platz ist. Kaum jemand beherrscht es wie er, das langsame Sich-Sammeln einer zerrütteten und traumatisierten Innerlichkeit so subtil und ergreifend aufzuzeigen, wie er es schon im Pferdeflüsterer getan hat. Wenn er zeigt, wie Bagger Vance dem angestrengt seine Bälle dreschenden Junuh hilft, Ruhe und Kraft im Innern zu finden, um anschließend den Ball elegant in die Nähe des Lochs fliegen zu lassen, läuft der Altmeister zu Hochform auf und wird dabei von fähigsten Mitarbeitern unterstützt. Meditativ in sich ruhende Naturbilder im Blick Junuhs, die Kräftigung seiner Konzentration widerspiegelnd und schließlich kaum merklich in Verfolgungsjagden seiner dann wieder kraftvoll geschlagenen Golfbälle übergehend, gekonnt in Szene gesetzt von Scorsese-Hofkameramann Michael Ballhaus, verwöhnen das Auge. Ein in Szenen dieser Art zunächst in subtilen, kurzen, aber ausgedehnt gespielten Tonabfolgen daherkommendes, danach langsam-fließend in ein kraftvoll-mitreißendes Stakkato übergehendes Klavierspiel von Rachel Portmann durchdringt musikalisch, anstatt nur zu unterlegen.
In dieser pietätvoll-feierlichen Huldigung an Freiheit und Willen des Menschen zeigt sich, dass der „American Way of Life“ weit mehr zu bieten hat als das kühle Kommerzstreben und die kulturelle Oberflächlichkeit, die ihm immer vorgeworfen werden.











